Not macht erfinderisch. Sagt man doch so, oder? Nicht nur die Not, auch Unkenntnis, Kreativitaet, Unfaehigkeit, Mexiko laesst erfinden.
Welcher Grund auch immer hier angemessen ist, wie kocht ihr eigentlich euren Kaffee? Wie wascht ihr eure Waesche und gibt es noch Flaschenzuege?
Eins nach dem anderen. Morgens nach dem aufstehen fuehrt mein erster Weg fast immer in die Kueche um Kaffee zu kochen. Eigentlich fuer mich aber ich bereite vorsorglich mindestens acht Tassen vor um beduerftigen gerade Erwachten den Tagesanfang zu erleichtern. Normalerweise hab ich jetzt ca. 10 Minuten Zeit, um z.B. Zaehne zu putzen, Bett zu machen /hahaha/ oder Zeitung zu lesen /pfihihihi/. Nicht hier.
Sara aus Italien hat letztens die Kaffeekanne fallen lassen und ist inzwischen ausgezogen. Das ist nicht weiter schlimm, da es genug Behaelter gibt in welchem man den Kaffee sammeln kann. (In der allergroessten Not schmeckt der Kaffee aus der Pfanne auch ohne Brot) Nur gibt es diesen nicht in der akribisch ausgemessenen Groesse wie im Original um den Knopf zu aktivieren, der die Fluessigkeit laufen laesst. Sonst bleibt alles Wasser im Filter stehen und laeuft irgendwann oben ueber.
Also muessen die 10 Minuten neben der Maschine verbracht werden um mit einem Loeffel (oder Messer, Gabel, Schneebesen) die Sperre zu deaktivieren. Funktioniert natuerlich nur wenn Kaffeefilter im Haus sind, im (relativ wahrscheinlichen) gegenteiligen Fall kann selbst eine aktive Fruehaufsteherin wie ich nicht aus der Tagesanfangpatsche helfen.
Wir haben eine Waschmaschine, d.h. ich kann theoretisch meine Waesche hier waschen. Folgender Arbeitsvorgang ist dafuer notwendig:
Ich schiebe die Waschmaschine Richtung Waschbecken und Steckdose, schliesse den Strom an und greife mir den 1 Meter langen Wasserschlauch der das Wasser vom Waschbecken in die Maschine transportiert. Dieses lasse ich ca. 20 Minuten laufen bis die Sachen alle durchnaesst sind, fuege Waschpulver hinzu und drehe den (fehlenden) Knopf, der nur noch aus einer Metallspitze besteht mit der Zange eine Runde auf “an”. Ob es Unterschiede zwischen “heiss”, “kalt” und “empfindlich” im Programm gibt weiss ich nicht aber ich seh die Maschine immer halbvoll und programmiere gewissenhaft nach Bedarf. Das Wasser wird nach dem Waschgang durch den Schlauch in der Dusche entlassen und der selbe Vorgang wird – diesmal ohne Waschpulver – noch einmal durchgefuehrt umd die restliche Seife hinauszuspuelen. Nachdem auch das erledigt ist muss nur noch geschleudert und die Waesche aufgehaengt werden. Beim Schleudern sollte man den Raum verlassen und die Tuer schliessen und leider haben wir keinen Trockner, weder mechanisch noch elektronisch deswegen stellt sich hiermit die Hersusforderung entweder einen freien Platz auf der Waescheleine auf dem Dach zu finden, das Balkongelaender zu saeubern und aufzupassen dass die Sachen nicht vier Stockwerke in den Hof fallen oder Stuehle, Tueren und Duschvorhangstangen zu benutzen um das Zeug irgendwie trocken zu kriegen. Ach ja und die weissen Flecken vom Waschpulver muss man einfach ignorieren, ist ja schliesslich kein Dreck.
Wir haben genau zwei Moeglichkeiten um in die Wohnung zu gehen, ach was sag ich, klettern: entweder ganz klassisch durch das Treppenhaus oder ueber die Feuerleitern im Hof die sich durch Kuerze, Steilheit und Windung auszeichnen. Nicht der groesste Komfort aber schneller und sportlicher. Fuer uns junge und flinke Menschen kein Problem die hoechstens zweimal die Woche ein paar Tortillas und Kaese hochtragen muessen, aber was ist mit den armen Menschen, die uns mit Gastanks oder 20 Liter Wassergallonen versorgen? Dafuer wurde ein Flaschenzug eingerichtet um Effektivitaet und Schnelligkeit zu steigern. Leider ist das Seil abgerissgestel. Nun haengt seit zwei Jahren ein halber Meter Seil an einem rostigen Gestell und die Angestellten vom Gas- und Wasserwerk muessen wieder (wie frueher) nachdem sie ins Haus schreien wer was braucht den langen Weg per pedis klettern und kriegen nichtmal Trinkgeld dafuer.
Was dem Deutschen wohl aber am meissten schmerzt sind die Autobahnen hier. Man bezahlt Maut um den Strassenbau zu unterstuetzen und rattert doch immerwieder ueber knietiefe Schlagloecher. Das faellt dem Mexikaner natuerlich auch auf und er hat das Recht sich zu beschweren und sein Geld zurueckzufordern wenn er Schaden erlitten hat. Der Staat muss natuerlich reagieren um nicht in der Beschwerdenflut zu versinken und denkt sich folgende kostenguenstige und soforthelfende Massnahme aus: Maenner, die bezahlt werden dass sie auf der Ladeflaeche eines Lasters stehen, der ueber die benannten Probleme faehrt und 10 Sekunden anhaelt um die Maenner Asphalt in die Loecher schuetten zu lassen. Ein lustiger Anblick.
Das Gute daran ist, dass man frei ist zu improvisieren, Regeln durch freundliche Blicke zu entschaerfen oder die Hausverwalterin um Hilfe zu bitten wenn man aufs Dach klettern will.
Sara war uebrigens mal wieder da und wollte Kaffee trinken aber es gab keine Filter. Bis die Eltern (also meine) welche kauften wurden diese durch Klopapier ersetzt. Not macht erfinderisch. Auch wenn sie durch Selbstverschulden kommt.

