Freiheit braucht einen Rahmen.
Mein derzeitiger Rahmen tritt in Erscheinung von ein paar im Vorraus gebuchten Fluegen, die mich ueber verschiedene Kontinente tragen und die Reisezeit zwischen Orten meines Interesses verkuerzen sollen.
Ich habe also einen Rahmentermin in New York, der mir hilft den Ort meines grossen Interesses, San Francisco, zuegig naeher zu kommen. Dieser jedoch erlaubt mir nicht viel Zeit fuer andere Plaetze meines Interesses und ich finde noch einen Rahmen, der billig, unterhaltsam und effizient ist. Sein Name:
Megabus.
Megabus ist ein wundervolles Unternehmen vergleichbar mit Mac Geiz oder Ryanair nur, wie der Name schon sagt, fuer Busse. Der Service ist ungleich besser und das Personal scheinbar angemessener bezahlt. Die Sitze sind sauber und komfortabel und das alles fuer einen Kampfpreis von 2,50$ – von New York City nach Washington D.C. 5$ fuer Boston – NY. Die finanzielle Politik wird mir fuer immer ein Raetsel bleiben, aber: ich bin begeistert.
Also, ankommen in New York, Stadt (oder Viertel) angucken, Unterkunft fuer die naechste Nacht klarmachen und wenn moeglich Folgeticket kaufen.
Der Plan steht. Morgen Washington D.C., gibts jemanden der mich aufnehmen kann? Ich komme Zwei Uhr nachmittags an, ja tut mir leid ist ganz schoen kurzfristig, aber ich bin unkompliziert, keine Sorge, brauchst deine Wohnung nicht aufzuraeumen und ein Unterhaltungsprogramm ist auch nicht noetig.
Das mit den Antworten dauert immer ein wenig und ich kann inzwischen Waesche waschen, Postkarten schreiben oder Bagel mit Creamcheese essen (total NY mann!).
Zwischen Quarter sammeln und in den Trockner schmeissen (man kann nur mit 25ct-Muenzen zahlen, und niemand, nein NIEMAND hier hat Wechselgeld) und Creamcheese im Blueberry Bagel essen schau ich nochmal auf mein Ticket. Ich weiss es ist ein Nachtbus, das spart mir wertlose Schlaf- und Aufstehzeit, aber soo lang? Ich fahr abends los und komm erst am naechsten Tag nachmittags an? Was steht da hinter der Zwei? AM?? Scheisse! Schon wieder verrafft, oh man ich hab doch erst in Montreal zwoelf Stunden totschlagen muessen! Ist das denn so schwer, Friederike?! Gut, Zwei Stunden hab ich noch, Sachen zusammen sammeln, ins naechste Internetcafé und eine Nachricht an die Notfallbereiten schreiben “Wer hat Lust mir heute Nacht zwischen Zwei und Drei die Tuer aufzumachen? Ich bin Deutsche wir zaehlen die Zeit von 0-23″ (ok das hab ich nicht geschrieben). Ich habe Glueck und ein selbstloser freundlicher junger Mann namens Stephen Bublitz erklaert sich bereit Teile seiner wertvollen Nachtruhe zu opfern um mir Unterkunft zu bieten.
Beruhigt mache ich mich auf den Weg mit Megabus, den Max unsere kompetente und unterhaltsame Fahrerin sicher und schnell zum Ziel bringt. Ich bin immernoch der Meinung, dass an der afroamerikanischen Rastamax (kann mir bitte irgendjemand endlich ein angemessenes, kurzes und politisch korrektes Wort geben?) ein kleiner Hip Hop Checker verloren gegangen ist.
“Yo guys y’all right?” “Yeaah..” Wir moegen sie vom ersten Augenblick. “Ya guys up there..” (es ist ein zweistoeckiger Bus) “gimme ya thumps up” “everyone!.. a´right let´s gooo” Mit ihrer dunklen Stimme und unwiderstehlich trockenem Humor macht sie uns klar, dass der Bus keine Thanksgiving Party ist, wir unsere Essensreste hinter uns aufraeumen sollen und sie auch kein Interesse an liegengebliebenen Blackberrys hat “A gottanough a´hom”. Wir danken ihr nach der Fahrt worauf sie nur cool antwortet “Don´t thank me thank Goood”
Am Haus angekommen oeffnet mir ein verschlafener Stephen die Tuer, zeigt mir Couch und Dusche und haendigt mir – die hoechste Disziplin aller Gastfreundschaft (neben mitten in der Nacht aufwachen und Tuer oeffnen) – den Schluessel aus.
Ich bin also angekommen im Mittelpunkt des weltpolitischen Geschehens und schaue mir eine der unamerikanischsten Staedte der USA an, laufe die schnurgeraden Strassen in gleisender Sonne hinab und beobachte soziale Interaktionen zwischen Security und pubertierenden Breakdancern vorm Weissen Haus. Die Stadt macht einen technischen, ja trockenen Eindruck ohne unnoetigen Cafés, Nebenstrassen und Gallerien. Hier wird Grosses geschaffen.
Umso mehr freue ich mich ueber die Idee den Abend picknickend im Lincoln Park zu verbringen, der durch sich sammelnden Polizisten, wohl am Ende ihrer Schicht angekommen unterbrochen wird, da eine Weinflasche in der Oeffentlichkeit (obwohl wohlweislich in einer Papiertuete versteckt) schnell zum Stein des Anstosses werden kann. Wir setzen unsere Unterhaltung im Hinterhof fort, welche sofort von der Hausbesitzerin bemerkt, und nach Erkennen des Hausbewohners geduldet wird.
Ich bin ein wenig traurig am naechsten Tag nach Philadelphia weiterfahren zu “muessen” (der Rahmen, ihr wisst) aber Dank meiner Schusseligkeit (ich dachte morgen waer Donnerstag nicht Mittwoch) habe ich noch einen Tag. Ich schaue mir ein paar der kostenlosen Museen an und nehme am Abend teil an einer intellektuellen Veranstaltung die den Namen “Asian Trash Movies” traegt. Der Film den sich die Bohemia reinzieht heisst “Tokyo Shock” und ich darf amerikanische Kinokultur vom Feinsten erleben.
Am Donnerstag gehts dann wirklich weiter nach Philly.
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