Archive for the ‘Musik’ Category

Feels like Home

von deëll am Montag, Januar 18th, 2010

Kennt ihr das auch? Ihr hört ein Lied, und obwohl fast noch nicht gehört kennt man es doch. Oder das Lied kennt einen. Es fühlt sich so vertraut an, fast wie zu Hause.  So ging es mir jedenfalls die Tage.

Heute war es Anajo – Ich hol Dich hier raus.  Das ist so eine Art Berliner Schrummel-Pop. (nee, doch nicht Berlin. Würde aber hinpassen, find ich) Aber recht angenehm. Das Bekannteste von denen dürfte das Lied Honigmelone sein. Wahrscheinlich infiltriert vom Deutschrocksound der Neuzeit a la “Wir sind Helden” kommt mir das wie schon ewig bekannt vor. Abgesehen davon haben es mir die Synthieline und Harmoniespielereien voll angetan.

Gestern bin ich in Margo – Regrets versunken. Kann auch damit zusammenhängen, dass ich die letzten 3 Monate Konrad Küchenmeister hoch und runter gehört habe. Und “Moonlight”, welches auch so ein Seelenschmeichler ist,  schlägt  da schmiegt sich in die gleiche Kerbe.

Aber erstaunt war ich bei dem Album The Billi-Jane Tracks von Georg Neufeld. Ich hab mir das vor nem Vierteljahr zweimal angehört und kürzlich wieder. Einfach unglaublich. Wie schon immer gekannt. Ist vom Stil her lecker Lounge House mit einer kleinen Prise Ambient.
Das darf sogar runtergeladen werden. Stadtgrün ist ein Label, das unter der Creative Commons (CC) – Lizenz veröffentlicht. Die komprimierten Bedingungen sind: den Urheber (+Herkunfts-URL) anzugeben, keine Kasse damit zu machen und nach Weiterverarbeitung die gleiche Lizenz für den Vertrieb zu nutzen. Aber Urheberrechtsaktivismus ist ein eigenes Thema, welches ich demnächst auch mal anschneiden werde.

Erm, und die Überschrift hab ich von Basement Jaxx geklaut. Besagtes Gefühl hat sich da eher nicht eingestellt.

neues Jahr – neues Glück

von deëll am Samstag, Januar 2nd, 2010

Keine Sorge, wenn ihr alle schön lieb seid, dann artet das hier nicht zu einem Blog über pupsende Babys aus. Ich hab einfach den Quotenbeitrag an den Anfang des Jahres gesetzt und mir für heute stattdessen auf zwei Listen veranschaulicht, was dieses Jahr alles anstehen könnte:

• ein gesellschaftspolitisches Sachbuch schreiben
• mir zu meinem Geburtstag selbst den größten Hamburger schenken, den ich jemals gegessen habe
• eine Revolution vereiteln
• meinen Werkzeugkasten aufräumen
• ein komplettes Album Unterhaltungsmusik produzieren
• selber Käse herstellen
• selber Steckdosen und die dazugehörigen Leitungen verlegen
• eine Kommune aufbauen
• endlich mal den Kartoffelturm ausprobieren
• ein Studium abbrechen
• die Gravitationstheorie widerlegen
• ein Drehbuch schreiben
• nach Jerusalem wandern
• einmal die Haare kämmen
• im August Stollen backen
• in einer Podiumsdiskussion eine Wortmeldung abgeben
• einen Verlag gründen
• mir einen T-Shirt-Drucker zulegen
• schon zur Pfifferlingszeit ans Pilzesammeln denken
• Lobbyist werden
• eine Orangenplantage in Portugal kaufen (und schon mal für später den Verhau für die Ziegen bauen)
• eine wissenschaftliche Abhandlung über Nährstoffkreisläufe anfertigen
• den Traumzauberbaum als Comic malen
• Saxophon spielen lernen
• mich offiziell irgendwo an- oder abmelden

oder

• mehr kiffen
• länger schlafen

Das sind jetzt auch weniger die guten Vorsätze, sondern eher Anhaltspunkte, aufgeteilt in zwei Kathegorien, um den Überblick nicht zu verlieren. Manche Entscheidungen sollte man sich nämlich wirklich nicht all zu einfach machen.

damals

von deëll am Sonntag, Dezember 27th, 2009

Es gibt Tage, da überlege ich mir, was die damals eigentlich nochmal die ganze Zeit auf den Studentenpartys gehört haben, bevor die “White Stripes” auf den Plan getreten sind. Ich meine sogar die Zeit vor “Ruby Ruby Ruby Ruby (a-ha-ha-ha-a-aaa)”. Und das ist ja schon gefühlte 50 Jahre alt.

Heute hab ich bei einem Umzug auch ein paar Kisten angefasst. So von oben. Aber bevor ich mich ans Brötchen vertilgen machte, hab ich noch schnell in die “erm-den-Krempel-will-ich-nun-wirklich-nicht-auch-noch-in-meine-neue-Wohnung-schleppen”-Kiste geschaut. Und da fiel es mir plötzlich wieder ein. Genau in dem Moment als ich die Maxi

Lenny Kravitz – fly away

in den Händen hielt. Aaaaaaaahhh!!! Diese Schmerzen!

..eine würgerürgerürg

von deëll am Sonntag, Dezember 20th, 2009

Einen sehr lesenswerten Beitrag zum Thema Geschenketauschverträge hat Muriel in seinem Blog hinterlassen. Hat mir sehr gut gefallen, sowie auch die Kommentare dazu. Ich habe mir diesen Artikel erst heute durchgelesen, weil mir die Überschrift beim schnellen überblättern nichts sagte. Aber auch dazu gab es einen erklärenden Verweis in den Comments. Aber hört selbst:

YouTube Preview Image

Mir ist echt schlecht geworden. Dieser Umstand dürfte zu einem nicht unerheblichen Teil darin begründet sein, dass einer der Verantwortlichen in meiner Erziehung stets darum bemüht war, den Kitsch im Weihnachtszirkus auf ein erträgliches Minimum zu reduzieren. Danke dafür. Auch wenn, oder gerade weil wir ‘’s Raachermannl’ nie gesungen haben.

Sonst kann ich dem Tenor des Artikels nur zustimmen. Denn wenn ich ein Geschenk mache, dann möchte ich etwas schenken. Eine Freude machen. Von mir für Dich. Mir Gedanken machen, was Dir gefallen könnte. Ohne Erwartung, ohne Gegenleistung. Sonst wär es für mich kein Geschenk mehr. Für einen bloßen Warenschlagabtausch ist es mir ums Geld dann doch zu schade. Und: so ein Notizbüchlein ist schon was Feines…

c’est la musique…

von deëll am Mittwoch, November 11th, 2009

Letztes Wochenende wachte ich aus meinen Tagträumen auf und fand mich mitten im Leipziger Centraltheater auf einem dieser uralten gemütlichen weinroten mit Samtimitat bezogenen Kinostühle wieder. Ich erinnerte mich, dass die Anreise von einem latenten Stress, bedingt durch persönlichen Zeitverzug, knapp getimten Schlüsselübergaben und leistungsschwachen Volvomotoren, geprägt war. Und los ging es, das Spektakel.
Phantom/Ghost, bestehend aus dem Leadgitarristen/ Frontman von Tocotronic und einem Produzenten am Piano (u.a. von Chicks on Speed), strahlten von Anfang an eine unwiderstehliche Ruhe aus. Größer hätte der Stimmungskontrast nicht sein können, als der Hauptact (die Künstlerin zuvor hatte ich verpasst) ziemlich zeitnah nach der Ankunft begann.
Das Setting dieses Konzertes wird unzureichend aber trotzdem gut auf spex skizziert. Die Unzulänglichkeit einer Videoaufzeichnung betone ich an dieser Stelle, da mir als Elektro-Jünger der direkte Draht zu einer Live-Darbietung bisher verborgen geblieben ist. Anzumerken bleibt zusätzlich, dass Dirk von Lowtzow in Leipzig perfekt sauber gesungen hat. Und dass tiefe Stimmen sehr schön sein können. Verwöhnt von den sonoren Tenören und der Klavierakrobatik Ben Folds Five’s und Detta Walkers blieb mir nämlich nichts anderes übrig, als mich auf die Gegebenheiten hier vor Ort einzulassen. Aber das möchte ich nicht nachteilig verstanden wissen.

Einige Tracks habe ich mir natürlich zuvor auf Youtube zu Gemüte geführt – die Katze im Sack kaufe ich nicht so gerne. Besonders ins Ohr (Auge passt grad nicht so gut) stach mir To Damascus. Haben sie aber leider nicht im Programm gehabt. Eventuell lässt es sich ja nicht ganz so einfach auf Klavierbegleitung transponieren. Ich hör das grob geschätzt grad zum 21. und 22. Mal. So schön melancholisch… traumhaft.

Vielen Hörern sind Phantom/Ghost als ein Teil des Soundtracks von “Herr Lehmann” in Erinnerung geblieben. Mir nicht, aber dafür kannte ich “Perfect Lovers” und “You’re my mate” von anderen Interpreten. Immerhin. Neu in meine Ohrwurmschleife hat sich seit dem letzten Wochenende “Relax it’s only a Ghost” eingeschlichen.

Das mag natürlich dem repititiven Charakter des Refrains geschuldet sein, aber meine erste Reaktion im Hörsaal war hauptsächlich ein *hmtscha*. Obwohl eine Koryphäe moderner Psychoanalyse (Freud, Jung, Nietzsche oder wer auch immer. Frag mich mal, wie bunte Klammern schmecken) den Dämonen in unserer Begriffswelt als Neurose widergespiegelt sieht, habe ich da im Hinterkopf den katholischen Pfarrer gesehen, dem empfohlen wird, sich mal ganz geschmeidig zurückzulehnen um sich von einer fremden Macht in Beschlag nehmen zu lassen. Richtig – geht gar nicht.
Den Brückenschlag habe ich heute beim Einkaufen geschafft. Mir fiel ein, dass folgender Comment auf youtube stand:

Jemand hat das Video mal verlinkt zum damit zu beschreiben, wie er Liebe empfindet – kann man auch so sehen. Ist Liebe nicht manchmal auch ein bißchen unheimlich? Gefällt mir sehr.

Und da dachte ich mir: Wie schwer muss es für einen sein, der indoktriniert der Überzeugung ist, dass die eigene Gefühlswelt nicht zu den guten Dingen im Leben gehört, um nicht zu sagen, sogar diabolischen Ursprungs ist, sich mal für einen Moment gehen zu lassen, Impulse wahrzunehmen und als integral anzuerkennen und denen sogar so viel Raum zu geben um diesen nachzugehen. Ich fürchte – nein, ich weiß – es ist verdammt schwer. Und wenn es “nur” Liebe ist. Sag mal nem Kopfmensch: “Fühle!” Geht auch nicht.

so: All good things come to an end … bzw.: Alle Dinge nehmen ein gutes Ende. Oder aber um es mit einem Zitat aus meiner Jugendliteratur abzuschließen: Ente gut – Alles gut.