Archive for November, 2009

Der Schussel und die Schusselin

von Ri Ker am Mittwoch, November 25th, 2009

Freiheit braucht einen Rahmen.

Mein derzeitiger Rahmen tritt in Erscheinung von ein paar im Vorraus gebuchten Fluegen, die mich ueber verschiedene Kontinente tragen und die Reisezeit zwischen Orten meines Interesses verkuerzen sollen.

Ich habe also einen Rahmentermin in New York, der mir hilft den Ort meines grossen Interesses, San Francisco, zuegig naeher zu kommen. Dieser jedoch erlaubt mir nicht viel Zeit fuer andere Plaetze meines Interesses und ich finde noch einen Rahmen, der billig, unterhaltsam und effizient ist. Sein Name:

Megabus.

Megabus ist ein wundervolles Unternehmen vergleichbar mit Mac Geiz oder Ryanair nur, wie der Name schon sagt, fuer Busse. Der Service ist ungleich besser und das Personal scheinbar angemessener bezahlt. Die Sitze sind sauber und komfortabel und das alles fuer einen Kampfpreis von 2,50$ – von New York City nach Washington D.C. 5$ fuer Boston – NY. Die finanzielle Politik wird mir fuer immer ein Raetsel bleiben, aber: ich bin begeistert.

Also, ankommen in New York, Stadt (oder Viertel) angucken, Unterkunft fuer die naechste Nacht klarmachen und wenn moeglich Folgeticket kaufen.

Der Plan steht. Morgen Washington D.C., gibts jemanden der mich aufnehmen kann? Ich komme Zwei Uhr nachmittags an, ja tut mir leid ist ganz schoen kurzfristig, aber ich bin unkompliziert, keine Sorge, brauchst deine Wohnung nicht aufzuraeumen und ein Unterhaltungsprogramm ist auch nicht noetig.

Das mit den Antworten dauert immer ein wenig und ich kann inzwischen Waesche waschen, Postkarten schreiben oder Bagel mit Creamcheese essen (total NY mann!).

Zwischen Quarter sammeln und in den Trockner schmeissen (man kann nur mit 25ct-Muenzen zahlen, und niemand, nein NIEMAND hier hat Wechselgeld) und Creamcheese im Blueberry Bagel essen schau ich nochmal auf mein Ticket. Ich weiss es ist ein Nachtbus, das spart mir wertlose Schlaf- und Aufstehzeit, aber soo lang? Ich fahr abends los und komm erst am naechsten Tag nachmittags an? Was steht da hinter der Zwei? AM?? Scheisse! Schon wieder verrafft, oh man ich hab doch erst in Montreal zwoelf Stunden totschlagen muessen! Ist das denn so schwer, Friederike?! Gut, Zwei Stunden hab ich noch, Sachen zusammen sammeln, ins naechste Internetcafé und eine Nachricht an die Notfallbereiten schreiben “Wer hat Lust mir heute Nacht zwischen Zwei und Drei die Tuer aufzumachen? Ich bin Deutsche wir zaehlen die Zeit von 0-23″ (ok das hab ich nicht geschrieben). Ich habe Glueck und ein selbstloser freundlicher junger Mann namens Stephen Bublitz erklaert sich bereit Teile seiner wertvollen Nachtruhe zu opfern um mir Unterkunft zu bieten.

Beruhigt mache ich mich auf den Weg mit Megabus, den Max unsere kompetente und unterhaltsame Fahrerin sicher und schnell zum Ziel bringt. Ich bin immernoch der Meinung, dass an der afroamerikanischen Rastamax (kann mir bitte irgendjemand endlich ein angemessenes, kurzes und politisch korrektes Wort geben?) ein kleiner Hip Hop Checker verloren gegangen ist.

“Yo guys y’all right?” “Yeaah..” Wir moegen sie vom ersten Augenblick. “Ya guys up there..” (es ist ein zweistoeckiger Bus) “gimme ya thumps up” “everyone!.. a´right let´s gooo” Mit ihrer dunklen Stimme und unwiderstehlich trockenem Humor macht sie uns klar, dass der Bus keine Thanksgiving Party ist, wir unsere Essensreste hinter uns aufraeumen sollen und sie auch kein Interesse an liegengebliebenen Blackberrys hat “A gottanough a´hom”. Wir danken ihr nach der Fahrt worauf sie nur cool antwortet “Don´t thank me thank Goood”

Am Haus angekommen oeffnet mir ein verschlafener Stephen die Tuer, zeigt mir Couch und Dusche und haendigt mir – die hoechste Disziplin aller Gastfreundschaft (neben mitten in der Nacht aufwachen und Tuer oeffnen) – den Schluessel aus.

Ich bin also angekommen im Mittelpunkt des weltpolitischen Geschehens und schaue mir eine der unamerikanischsten Staedte der USA an, laufe die schnurgeraden Strassen in gleisender Sonne hinab und beobachte soziale Interaktionen zwischen Security und pubertierenden Breakdancern vorm Weissen Haus. Die Stadt macht einen technischen, ja trockenen Eindruck ohne unnoetigen Cafés, Nebenstrassen und Gallerien. Hier wird Grosses geschaffen.

Umso mehr freue ich mich ueber die Idee den Abend picknickend im Lincoln Park zu verbringen, der durch sich sammelnden Polizisten, wohl am Ende ihrer Schicht angekommen unterbrochen wird, da eine Weinflasche in der Oeffentlichkeit (obwohl wohlweislich in einer Papiertuete versteckt) schnell zum Stein des Anstosses werden kann. Wir setzen unsere Unterhaltung im Hinterhof fort, welche sofort von der Hausbesitzerin bemerkt, und nach Erkennen des Hausbewohners geduldet wird.

Ich bin ein wenig traurig am naechsten Tag nach Philadelphia weiterfahren zu “muessen” (der Rahmen, ihr wisst) aber Dank meiner Schusseligkeit (ich dachte morgen waer Donnerstag nicht Mittwoch) habe ich noch einen Tag. Ich schaue mir ein paar der kostenlosen Museen an und nehme am Abend teil an einer intellektuellen Veranstaltung die den Namen “Asian Trash Movies” traegt. Der Film den sich die Bohemia reinzieht heisst “Tokyo Shock” und ich darf amerikanische Kinokultur vom Feinsten erleben.

Am Donnerstag gehts dann wirklich weiter nach Philly.

Kindermund

von deëll am Mittwoch, November 18th, 2009

…hat Gold im Schlund

Ach, wie schön ist es doch, sich die Welt immer wieder mal so gaaanz ganz einfach erklären zu lassen. Eigentlich muss man dafür gar nicht so viel tun. Nur ein paar Stunden in der Nähe von Kindern verbringen. Und die Ohren offen halten. Hier mal meine Top 3 von heute Nachmittag:

Normalerweise, wenn man sagt, das ist für Ohrenschmerzen, meint man ja eigentlich etwas gegen Ohrenschmerzen.

Junger Mann, ich wünsche Dir viel Durchhaltevermögen im Kampf um/ mit/ gegen die Logeleien der deutschen Sprache. Mögest Du recht erfolgreich sein, Du tapf’rer Recke. Ich habe schon sehr zeitig aufgegeben, aber mein Gegner war ungleich stärker als Deiner. Im zarten Alter von 4 (?) Jahren wollte ich meine Milch mit Kakao aber mit ohne Honig. Ich blieb dabei, obwohl man mir zutrug, dies sei nicht die korrekte Art seinem Verlangen Ausdruck zu verleihen. Die Anderen waren offensichtlich im Unrecht. Natürlich heißt es “mit ohne”. Völlig klar. Doch mein Wille ward gebrochen der Glaube an mein Recht verblich, jedoch in der Blüte meines Lebens wurde ich gewahr, dass es irgendwann mal so einen Engländer gegeben haben muss, der mit einem dem Meinigen verwandten Sprachempfinden auf die Welt kam, und bevor irgendjemand etwas Gegenteiliges behaupten konnte ein “without” in Umlauf brachte. Gesegnet sei der Mann!

wenn man sich nicht ständig um alles selber kümmert … – machens andere für einen.

Dem bleibt nichts hinzuzufügen. So ist es. Und den Liebling des Tages hab ich mir als krönenden Abschluss aufgehoben:

(Zitat vorerst entfernt. In ein paar Jahren eventuell.)

Die Anwälte

von deëll am Dienstag, November 17th, 2009

- eine deutsche Geschichte

Gerade eben bin ich auf etwas gestoßen, was in mir sofort Interesse geweckt hat. Am Donnerstag startet in einigen Kinos der Film “Die Anwälte – eine deutsche Geschichte” Wer sich von dem Trailer (und/ oder von den anderen Infos auf der Homepage) angesprochen fühlt, dem empfehle ich, sich den Artikel dazu auf telepolis auch durchzulesen. Obwohl ich kein großer Freund von Kritiken im Vorfeld bin – Stichwort: Unvoreingenommenheit – halte ich diese für einen Zugewinn.

Vor dem Hintergrund, dass ich den Posten im parlamentarischen Kontrollausschuss für das Zuckerbrot halte, mit welchem der aufmüpfige Hans in seinem Tatendrang befriedet werden sollte und die SPD bisweilen plakativ als False-Flag-Operation der CDU bezeichne, erhoffe ich mir von dem Streifen einige Aspekte zur differenzierten Bewertung von Entwicklungen in Deutschland. Die Kinokarte werde ich hoffentlich im Ordner “sinnvolle Investitionen” ablegen können.

Kinostart: 19. November 2009
Aufführung in DD: kid – Kino im Dach

Und da ich zur deutschen Einheit noch nix gebracht habe (gut Ding will Weile haben) hier noch ein unkommentiertes Zitat aus der Zeittafel zum Film:

1989: Hans-Christian Ströbele bezeichnet den Staatsvertrag zur Deutschen Einheit als „größte Landnahme der deutschen Industrie seit den Kolonialkriegen“

das Nachwort zum Sonntag

von deëll am Dienstag, November 17th, 2009

Oh ja! Das war ein richtig lohnenswertes Wochenende. Also eigentlich ein halber Partymarathon. Unter anderem. Und mit den üblichen Nebenerscheinungen. Und so kam es, dass mir an einem typischen lazy sunday neben fettleibigen Wohlstandsinformatikern auf Schwebemofas auch andere Dinge durch den Kopf gingen, die sogar halbwegs einen Sinn ergaben. Zum Beispiel fiel mir auf, dass der Wortschatz unserer Umgangssprache ein reichhaltiges Angebot an Synonymen für “Nerven” bietet, wenn einem “Du gehst mir auf die Nerven” schon langweilig geworden ist, da man den Satz zu oft benutzt hat. Und ich begann zu sammeln:

Du gehst mir auf/ das geht mir auf …
• den Geist
• den Keks
• den Kranz
• die Ketten
• die Nüsse
• den Sack
• den Schrank
• den Sender
• den Senkel
• den Wecker
• den Zeiger
• den Zünder

Den Versuch eine Analogie zu “Ich liebe Dich” herzustellen habe ich dann auch nach kurzer Zeit erfolglos abgebrochen, um mich in meinem pessimistischen Weltbild bestätigt zu sehen. Aber da ich nun eine ganze Latte an Begriffen aufgereiht hatte, machte ich mich daran, diese auch auszuwerten. Um innere Zusammenhänge herzustellen oder so. Mir dessen bewusst, dass ich nur eine Auswahl getroffen hatte, welche mit der nötigen Kreativität auf beiden Seiten des Vulgaritätssprektrums noch beliebig ergänzt werden kann, befleißigte ich mich, diese als representativ zu deklarieren. Also konnte ich konstatieren:

• 25% enden auf -er
• ein Drittel beginnt mit “S”
• Es gibt nur halb so viele Anfangsbuchstaben wie Alternativbegriffe
• 83,3% sind maskulin oder werden im Singular benutzt (das logische “Oder” bzw. die Adjunktion “v”)
• 100% (alle) werden im Akkusativ (4. Fall) angewandt

Na gut, der Ansatz war also nicht so fruchtbar. Da die Sorgfalt statistischer Untersuchung nicht zielführend war, ließ ich die Gedanken schweifen. Und plötzlich: da war sie! Die Erleuchtung!

Alle Bezeichnungen lassen sich auf das Fahrrad und seinen Fahrer anwenden. Alle. Unter einer Voraussetzung. Okay, sie mag mehrschichtig sein, aber unter einer Voraussetzung: In Ermangelung eines Autoführerscheins fährt einer seinen Umzug auf einem mit Benzinhilfsmotor, Werkzeugtasche aus Jute (trotz des schweren Steckschraubenschlüsselsatzes) und Analogtachometer (die Akribie zur Spracherhaltung in Sachen “Nadel” vernachlässigend) aussgestatteten Fahrrad, während im Lenkerradio “der Picknicker” läuft. Und der Grund, dass sich sein unzureichend geschnürter Schuh in der Nähe der Tretkurbel verfängt, ist auch der gleiche, warum er sich sicherheitshalber im Handy die Alarmfunktion gestellt hat: er musste sich unbedingt die Kante mit Birnenobstler geben. Womit der Kreis auch geschlossen wäre.

War ja gar nicht so schwer. Und mit meinem neuen Wissen warum die Welt so ist, wie sie eben ist, bin ich dann glücklich und zufrieden eingeschlafen…

Rufe habens eilig

von Ri Ker am Sonntag, November 15th, 2009

Viele Wege fuehren nach Rom, viele Rufe eilen Mexiko vorraus. (Es fuehren auch viele Wege von und nach Mexiko aber das ist grad nicht wichtig.) Ich entscheide mich also statt zu fliegen ueber Land einzureisen mit einem Paerchen aus den USA (Liz heisst das Maedchen) die ihren Umzug nach Brasilien als ausgedehnten Roadtrip gestalten und mich im suedlichsten Arizona mit aufspringen lassen. Auf ihr Auto welches den heroischen Namen “Herkules” traegt. (auch liebevoll “herki” genannt, also “herci” beachte: englisch ausgesprochen!) Er macht seinem Namen leider alles andere als Ehre aber dazu spaeter. Die beiden sind sehr “smarte traveler” wie sie sich stolz betrachten und haben alle (Un-)Moeglichkeiten im Vorraus bedacht und vorbereitet und sind mehr als startklar das gefaehrliche, magnetische von vielen Sagen umwobene Land zu bereisen. Das Auto gleicht einem komplett ausgestatteten Ueberlebenscamp und auch das faellt dem Grenzbeamten auf, der uns eine halbe Stunde aufhaelt, mehr oder minder sinnvolle Fragen stellt, bedeutungsvolle Blicke mit seinem Gegenueber durchs Fenster auf der Fahrerseite wechselt und zwischen vertrauensvoll und ermittelnd versucht alle wichtigen Informationen aus uns herauszuquetschen. (Wieviel Geld habt ihr dabei? mehr als 10.000 Dollar? /ahahahaha schlapplach/ ihr koennts ruhig sagen is nicht schlimm, wir muessens nur wissen) Der Freund von Liz schwitzt waehrenddessen Angst und Unmut da er aus Brasilien kommt und seine Aufenthaltserlaubnis schon gefuehlt vor dem letzten Weltkrieg abgelaufen ist. Ich wuerde euch gern den Namen nennen, dass wuerde alles einfacher machen. Aber das mit den Visa ist ne bitterernste Sache, Leute habt Verstaendnis so nen Umstand UND DAS IN DEN USA posaunt man nicht nach gut Duenken hinaus. Wir duerfen also weiter und muessen uns nun um unser Visum kuemmern was nicht weiter schwierig ist. Den deutschen freundschaftlichen Beziehungen seis gedankt dass mein Pass noch schlank wie eine Gerte ist und er nur jedes Mal um ein paar Milligramm Stempelfarbe schwerer wird. Liz fragt mich ob ich meinen Eintrittszettel in die Staaten abgegeben haette, die Beamten wollen gerne wissen ob ich auch wieder abhau, also machs lieber wennde nochmal kommen willst! Ok, alles klar, wo muss ich hin? Ja, dort wo wie hergekommen sind also ueber die “Laendergrenze”. Eine faszienierende Tatsache an Grenzen. Hipp, Mexiko. Hopp USA. Hipp Mexikohoppusahipphopphipphopp. Ich laufe also unbescholten auf die freundlichen Mitarbeiter zu die auf einmal ganz nervoes werden, ihre Maschinen zuecken und wild mit den Armen fuchteln. SO EINFACH IST DAS NICHT!! Du musst hinter das Gatter durch das drehbare Todeshoellen Einweggitter, die graue Zone durchqueren, und vorbei an der Sicherheitsbeamtin HINTEN anstellen! Und warten! Pfff.. das waer ja noch schoener,  jeder geht rein und raus in das heilige Land wies ihm gefaellt, he? Jaja ok, ich stell mich ja an. Und beobachte den Kontrolleur der jedem skeptisch ins Gesicht schaut, vorerst nicht glaubt dass der Pass der vor ihm stehenden Person gehoert und wenn diese nicht vor Nervositaet zusammenbricht sie weiterlaesst. Aus irgendeinem Grund finden genau diese Leute deutsche Paesse toll. (Ist mir schon an der Grenze von Kanada/USA passiert) Sie betrachten sie eingehend von allen Seiten, fragen ob  jeder bei mir zu Hause so ein Ding hat, finden die Farbe und Form toll und spielen mit dem Wasserzeichen (das mit den Farben) drehen es hin und her und schauen ganz gluecklich. Also, was willst du eigentlich? Ja nur den Zettel abgeben, damit ihr wisst dass ich jetzt weg bin. Aaaahh, ehm ja wie mach ich das jetzt raus? /friemel/ mhm.. und wo tu ich das jetzt hin? /runterfall/ als alle Fragen geklaert sind meint er “Und nun?” Ja, ich will wieder zurueck. Ein zweifelnder Blick. Dann: “EINE KOMMT ZUUURUECK!!” viele viele unglaeubige Blicke in der langen Warteschlange. Zurueck?? Ein Spiessrutenlauf vorbei an der Sicherheitsbeamtin, durch die graue Zone.. das gleiche Spiel. Man entlaesst mich ins Land. Dort kuemmern sich die Beiden um die Papiere fuers Auto und weil sie smarte Traveler sind hat sich Andre nen Geldguertel gekauft den er sich unsichtbar um den Bauch schnuert und jedes Mal wenn er zahlen muss umstaendlich sein T-shirt hochzieht und Geld rauskramt, im besten Fall Scheine fallen laesst. Es gibt komfortablere Situationen zu bezahlen, aber man ist ja vorsichtig. Nach ca. zwei Stunden ist alles erledigt, der zuvorkommende Parkplatzhelfer (der, der auf unser Auto aufpasst wenn wir nicht da sind) mit ner Cola bezahlt und LOS GEHT`S! Mechikooo here we come! Todesmutig fahren wir ins Land aller Gefahren bewusst. Schweinegrippe, kidnappende Drogendealern, kontaminiertes Essen und Trinken, Guerillas, verseuchter Tequila kann uns nix anhaben. Zieht euch warm an, wir sind vorbereitet!

Schgodohmd heide?

von deëll am Donnerstag, November 12th, 2009

Herrlich! Ich mach mich heute auf den Nachhauseweg von meinem kleinen Kräutergarten und beschließe, noch schnell dem auftretenden Hungergefühl etwas entgegenzusetzen. Weiter vorne sehe ich blaue Rundumleuchten durch den entlaubten Straßenbewuchs blinken, denke mir aber noch nichts dabei. An der Kreuzung angekommen sehe ich, dass diese von ein paar verloren wirkenden Polizisten abgesperrt ist. Na klar… könnten neue Parts für die Waldschlösschenbrücke sein… egal. Is mir grad zu blöd hier noch weiter rumzustehen und Maulaffen feil zu halten. Und während ich im BurgerKing Bio-Kost bekam, passierte draußen … nichts. Außer ein paar zusätzlich stehenden Straßenbahnen und Autoschlangen die sich nun wirklich in den Horizont hineinwanden hatte sich an der Ausgangssituation gar nichts verändert. Dem freundlichen Herrn in seiner Warnweste wollte ich den fusseligen Mund auch nicht weiter strapazieren und so freute ich mich, auf der staufreien Fahrbahn gen Heim zu radeln. Und weils so entspannt war gleich mal freihändig.
An der nächsten Kreuzung ein ähnliches Bild. Nun gut, dachte ich mir ‘die Hände sicherheitshalber wieder schnell an den Lenker’ um danach gleich in die Offensive zu gehen: “Entschuldigen Sie bitte, darf ich fragen warum hier so weiträumig abgesperrt wird?” “Nudürlisch. Dörfense, wennse vom Fohrrod abschdaign.” Mit einem fragenden, leicht ungläubigen Blick konnte ich dem Beamten gleich hintendran noch die dazugehörige Erklärung entlocken: “Sie ham nämlisch gein fungdsioniorndes Fohrrodlüschd!” Ich hielt einen kurzen Moment inne, beschloss, dass es den Preis wert sei und ging auf den Deal ein. Mit einem gemurmelten “ach, stimmt ja. (wie konnt ich nur)” schob ich mich vom Sattel und bekam auch prompt die Gegenleistung: “Am Flughofn in Dräsdn issn Schdohdsgosd eingedroffn.” Das war selbst für mich fast zu viel. Es blieb so gut wie keine Zeit das Gehörte mit bekannten Worten abzugleichen, da kam eine gewisse Unruhe auf. Aus einem Lautsprecher, den keiner sah, schallte ein: “Die Passanten von der Fahrbahn entfernen!”, Motorengeheul kam näher und der Obmann wurde noch ein wenig pflichtbewusster. Die 3-Leute-Traube ging auf den Gehweg, 2 Motorräder und ein Dienstwagen rauschten vorüber und dann war wieder alles genau so wie vorher. Überall stand still frustriertes Blech, Fahrradfahrer fuhren a la gusto und Fußgänger parierten die staatsgewaltliche Blockade en passant. Ich ließ das Gesamtkunstwerk noch ein paar Minuten auf mich wirken, etliche Staatskarossen flankiert von Zweiradkorsos mit dem nötigen Respekt passieren und radelte vergnügt nach Hause.
Unterwegs sagte ich zu mir – wenn die Dresdener Methode Schule machen sollte, dann ist so ein Polizeistaat doch recht sympatisch. Außer für Autofahrer.

Das war also mein Faschingsauftakt. Aber einen gepflegten Skatabend … gerne!

c’est la musique…

von deëll am Mittwoch, November 11th, 2009

Letztes Wochenende wachte ich aus meinen Tagträumen auf und fand mich mitten im Leipziger Centraltheater auf einem dieser uralten gemütlichen weinroten mit Samtimitat bezogenen Kinostühle wieder. Ich erinnerte mich, dass die Anreise von einem latenten Stress, bedingt durch persönlichen Zeitverzug, knapp getimten Schlüsselübergaben und leistungsschwachen Volvomotoren, geprägt war. Und los ging es, das Spektakel.
Phantom/Ghost, bestehend aus dem Leadgitarristen/ Frontman von Tocotronic und einem Produzenten am Piano (u.a. von Chicks on Speed), strahlten von Anfang an eine unwiderstehliche Ruhe aus. Größer hätte der Stimmungskontrast nicht sein können, als der Hauptact (die Künstlerin zuvor hatte ich verpasst) ziemlich zeitnah nach der Ankunft begann.
Das Setting dieses Konzertes wird unzureichend aber trotzdem gut auf spex skizziert. Die Unzulänglichkeit einer Videoaufzeichnung betone ich an dieser Stelle, da mir als Elektro-Jünger der direkte Draht zu einer Live-Darbietung bisher verborgen geblieben ist. Anzumerken bleibt zusätzlich, dass Dirk von Lowtzow in Leipzig perfekt sauber gesungen hat. Und dass tiefe Stimmen sehr schön sein können. Verwöhnt von den sonoren Tenören und der Klavierakrobatik Ben Folds Five’s und Detta Walkers blieb mir nämlich nichts anderes übrig, als mich auf die Gegebenheiten hier vor Ort einzulassen. Aber das möchte ich nicht nachteilig verstanden wissen.

Einige Tracks habe ich mir natürlich zuvor auf Youtube zu Gemüte geführt – die Katze im Sack kaufe ich nicht so gerne. Besonders ins Ohr (Auge passt grad nicht so gut) stach mir To Damascus. Haben sie aber leider nicht im Programm gehabt. Eventuell lässt es sich ja nicht ganz so einfach auf Klavierbegleitung transponieren. Ich hör das grob geschätzt grad zum 21. und 22. Mal. So schön melancholisch… traumhaft.

Vielen Hörern sind Phantom/Ghost als ein Teil des Soundtracks von “Herr Lehmann” in Erinnerung geblieben. Mir nicht, aber dafür kannte ich “Perfect Lovers” und “You’re my mate” von anderen Interpreten. Immerhin. Neu in meine Ohrwurmschleife hat sich seit dem letzten Wochenende “Relax it’s only a Ghost” eingeschlichen.

Das mag natürlich dem repititiven Charakter des Refrains geschuldet sein, aber meine erste Reaktion im Hörsaal war hauptsächlich ein *hmtscha*. Obwohl eine Koryphäe moderner Psychoanalyse (Freud, Jung, Nietzsche oder wer auch immer. Frag mich mal, wie bunte Klammern schmecken) den Dämonen in unserer Begriffswelt als Neurose widergespiegelt sieht, habe ich da im Hinterkopf den katholischen Pfarrer gesehen, dem empfohlen wird, sich mal ganz geschmeidig zurückzulehnen um sich von einer fremden Macht in Beschlag nehmen zu lassen. Richtig – geht gar nicht.
Den Brückenschlag habe ich heute beim Einkaufen geschafft. Mir fiel ein, dass folgender Comment auf youtube stand:

Jemand hat das Video mal verlinkt zum damit zu beschreiben, wie er Liebe empfindet – kann man auch so sehen. Ist Liebe nicht manchmal auch ein bißchen unheimlich? Gefällt mir sehr.

Und da dachte ich mir: Wie schwer muss es für einen sein, der indoktriniert der Überzeugung ist, dass die eigene Gefühlswelt nicht zu den guten Dingen im Leben gehört, um nicht zu sagen, sogar diabolischen Ursprungs ist, sich mal für einen Moment gehen zu lassen, Impulse wahrzunehmen und als integral anzuerkennen und denen sogar so viel Raum zu geben um diesen nachzugehen. Ich fürchte – nein, ich weiß – es ist verdammt schwer. Und wenn es “nur” Liebe ist. Sag mal nem Kopfmensch: “Fühle!” Geht auch nicht.

so: All good things come to an end … bzw.: Alle Dinge nehmen ein gutes Ende. Oder aber um es mit einem Zitat aus meiner Jugendliteratur abzuschließen: Ente gut – Alles gut.

Ein halber Kubikmeter zu Hause

von Ri Ker am Dienstag, November 10th, 2009

Aller Anfang ist schwer.. ums kurz zu machen: Niemand weiss wie man all die schoenen Dinge, die man zu erzaehlen hat einleiten soll deswegen beginne ich einfach in der Mitte.

Heute hatten wirs wieder mit der Ordnung und mir ist aufgefallen, dass es mir sogar in meinem 20l Rucksack schwer faellt ein gewisses System zu behalten, heisst dass die Zahni immer unten, mein Ausweis (den ich fast nie brauch) im obersten Fach und der ganze Rest (ob nuetzlich oder nicht sei dahingestellt) irgendwo in der Mitte rumlungert.  Zwei Jacken, ein paar Supplies aus dem Kulturbeutel und ein Handy sind schon auf der Strecke geblieben.. niemand weiss wo und das obwohl ich doch nur auf  hoechstens nen halben Kubikmeter Besitz aufzupassen hab.

Aber der fuehrt sich manchmal auf wie ein Sack voller Floehe und dann noch meine Tasche mit ner Flasche Wasser, meinem Geldbeutel und Kamera. Das sollte eigentlich alles sein was drin ist nur ist die immerzu voll mit Ramsch und unnoetigem Zeug dass ich jedes Mal erstaunt Mund und Augen aufreiss wenn ich mal wieder reinschau und ich nehme mir erneut vor zu entmuellen. Doch wohin mit all den schoenen Flyern, meinen Stoffresten aus alten T-shirts mit denen ich meine Hose reparieren will, dem huebschen Stein der aussieht wie ein angemalter Fuss und meinem Schreibblog eh block wo ich mir die wichtigsten Saetze aufschreib mit denen ich am coolsten ankomm?

Ganz recht, ihr Lieben, ich bin auf Reisen. Aber dieser Umstand aendert nicht die Tatsache meiner Unfaehigkeit zu organisieren und ENDLICH mal alles an den rechten Platz zu stellen, setzen legen.  (Erinnert ihr euch noch ans Vokabeln lernen in Latein? Stichwort `ponere`.. oder so)

Ja und so liederlich hab ichs bis nach Mexiko geschafft. Wo mich wieder -Stichwort- der Lateiunterricht einholt. Wie war das nochmal? “Die aufeinander bezogenen Substantive und Verben erkennt man an ihrer Endung, Friederike!” “Wie konjungiert man nochmal..?” Jedoch macht der Lateinunterricht hier mehr Spass. Eines der ersten Woerter welches ich hier lerne ist natuerlich (neben allen erdenklichen Schimpfwoertern die natuerlich -Faustregel- IMMER als estes in einer neuen Sprache gelernt werden) `Cerveza`.  Das Bier. Als zweites (ohne die vielen Synonyme fuer `Scheisse` mitzuzaehlen und davon gibts viele) `fresa`, heisst so viel wie spiessig. (Auch ‘Erdbeere’ aber das tut hier nichts zur Sache.) Damit kann man noch nicht so viele sinnvolle Saetze bilden aber das dritte und vierte Wort laesst sich leicht einpraegen `turista`und `Panza`.  ‘Panza de cerveza’  ist ein herrlicher Ausdruck fuer Bierbauch und ich als Reisende begene selbstverstanden vielen Gleichgesonnenen die nicht selten als Turista fresa con Panza de cereveza zu Tage treten.

So viel dazu. Die Hose, die ich bisher natuerlich noch nicht geschafft habe zu reparieren wurde heut morgen an die freundliche Señora unten an der Ecke in ihrem 2 m/2 Wurstverkaufswagen abgegeben die mir, um den Geschichten der Leute hier zu glauben, ein qualitativ viel hochwertigeres Stueck fuer nur 2,50 Euro zurueckgeben wird. Denn je weiter ich in den Sueden komme (auch das wird hier erzaehlt) desto weniger gehen die Dienstleistenden von der Selbststaendigkeit der Bevoelkerung aus, heisst umso mehr wird fuer weniger Geld erledigt. Z.B. im Waschsalon. “Selber waschen?? Nein nein, wir kennen unsere Maschinen sie kommen in 2 Stunden zurueck und koennen alles gestriegelt und gebuegelt abholen.” Neeeein..bitte nicht in den Trockner und erst recht nicht buegeln ich weiss geau dass das mein Unterhemd nicht mehr mitmacht und ich brauchs doch noch!! “Schuhe??? Ahaha nein.. das macht unsere Maschine kaputt das haben wir noch NIE gemacht, aber fuer 30 Pesos kriegen sie die sauber wieder! Mhm.. wie machen wir die Preise wenn sie die Sachen nass abholt??” Nach einer Stunde kreuze ich wieder auf um meine NASSEN Sachen abzuholen und zu Hause ganz klassisch aufzuhaengen. Dort stelle ich fest dass die blaue Polyester Hose mit den gelben Streifen aus Fernandos lustig Kiste fehlt und entruestet bitte ich meinen Mitbewohner der Sache auf den Grund zu gehen. Der winkt milde laechelnd ab und erklaert dass diese sicherlich in den Jagdgruenden der grossen Maschine verschwunden sei, nicht alle Fabrikate seien gemacht fuer den wohl kontrollierten mexikanischen Waschgang.

Ja, nun hab ich – um die Worte meines Bruders und freundlichen Providers dieses Blogs (mit diesem Wort kann man auch die schoensten Spielchen betreiben)- zu gebrauchen  den Fuss in die  Tuer der Blogwelt gekriegt welcher ich immernoch ein wenig skeptisch (ein grosses Vorurteil geegnueber meiner Nationalitaet hier, aber wir wollen uns nicht in Mentalitaetsklischees verlieren) gegenueber steh. Mann warum ist das jetzt kursiv???? Ich raffs immernoch nicht mit den ganzen Tools und Links, Bilder hoch und runterladen, Musik sharen und Entwurf bearbeiten? Oeffentlich bearbeiten oder sofort publizieren? Danieeeeeel!! Ok, schnell den blauen Knopf druecken und schlafen gehen. Reicht fuer heute.

Marias Welt

von deëll am Dienstag, November 10th, 2009

Ich hab mal irgendwo gelesen, dass die Blogosphäre ne ganz tolle Geschichte sei. So rein virtuell und unverbindlich. Flexibel und mit ungeheuerer Durchschlagskraft. Nach dem Motto: gemeinsam regt’s sich besser auf.

Dachte ich mir dabei: super! Will ich auch – kann ich auch. Ich mach mir nen Blog und trete ein in diese wunderbare Welt! Tausend bunte Bildchen und jeder darf machen, was er will.

Aber warte mal. So einfach ist das nämlich gar nicht. Das fängt an bei Ping-, Feed- und Trackbacks und findet bei der absoluten Anarchie noch lange kein Ende.

Die nackte Wahrheit ist: Du brauchst Links! Und zwar ungefähr im 6-stelligen Bereich. Allerdings hat die Sache einen kleinen Haken: Das nützt dem eigenen Geltungsbedürfnis so gut wie nichts wenn man diese auf der eigenen Site unterbringt. Es müssen stattdessen Links  von anderen Blogs, Newsgroups, Hobbyseiten oder allem Anderen was aus brauchbarem html-code besteht auf DEINE Adresse verweisen.

Und das ist ne echte Crux. Ich kann schlecht hingehen und sagen: “Hey Johnny! Mach ma!” Ich kenn den nichtmal flüchtig und er mich schon gar nicht. Ich kann zwar sagen: “Hey Mari! Mach Du ma!” Aber das tangiert des Pudels Kern nichtmal peripher.

Also: ich mach das mal lieber wie der Otto-Normal-Blogger: Am Tag ist irgendwas ungeheuer (………..)* passiert, ich teile das allen mit und wenns passt, kommt dann nochn Link dabei. In manchen Kreisen würde man das wohl als angemessenes Verhalten bezeichnen.

Na denn mal los:

Letztens beim gepflegten Mittwochsbrunch erfuhr ich von meinem charmanten Gast (heißt es heute genderechterweise “meine Gästin”?) überraschenderweise, dass ihre Schwester ne Homepage hat. Hätt ich mir eigentlich denken können: Hintergrundinfos von Awacs bis Zwangsimpfung, praktische Widgets (Live-Fahrplan) auf dem Laptop und Reifenwechsel inklusive aller nötigen Randnotizen via Google-Fernstudium erlernt. Jaja, das isse, die Mari.

Und da schau ich heute erwartungsvoll, was mich wohl erwarten wird und freu mich gleich noch mehr: Es geht um Essen! Meine Lieblingsvorspeise war die hier. Wobei ich irgendwie bisher dachte, dass Schwips ein ursächsischer Ausdruck sei. Davon weiß Wikipedia allerdings nix. Hat jemand bessere Links?

Naja, nen Geheimtipp hab ich noch für alle Rezeptesucher: gourmandise yourself ;) (der war dermaßen blöd, da musste ein Smilie dahinter)

Und Mari: ich hab Dich jetzt im Feed und freu mich schon auf Dein nächstes Experiment. Und allen Anderen: Viel Spaß auf Marias Welt!

* folgende Wörter dürfen frei nach dem eigenen Vorurteil eingesetzt werden:

:Dramatisches, Belangloses, Herzzrerreißendes, Grandioses, Lustiges, Wichtiges, Lobenswertes, Weltbewegendes, Grausames, Langweiliges, Trauriges, Entsetzliches, Tragödisches

wer bloggt verliert

von deëll am Freitag, November 6th, 2009

Keine Ahnung, was mich zu dieser Aussage hinreißen lassen hat. Möglicherweise diffuse Intuition. Wer weiß. Aber kraft meiner Empathie versuche ich mal diesen Standpunkt nachzuempfinden. Also, wer das tut, der verliert

• Zeit
• Geld
• den Verstand
• die Privatsphäre
• seine Freunde
• Ansehen und den Respekt vor sich selbst
• zu viele Worte

Hmm… Nach kurzem Sinnieren kann ich zusammenfassend konstatieren: Och nö. Und zwar weil:

• was kann man wertvolleres mit seiner Zeit anfangen, als sich selbst den eigenen Standpunkt klar zu machen um ihn danach von anderen reflektieren zu lassen
• völlig überschätzt. Braucht man zwar, kanns aber sinnloser verschleudern
• den muss man zuvor verloren haben, um ihn als valides Argument hinzuziehen zu können
• ha! Ist hier irgendjemand mit der Semantik von Ausschnitt vertraut?
• zur Selbstexploration: ‘dick & dünn’ + ‘wacklige Füße’
• siehe Punkt 1-5
• genau

Okay, da wir das nun auch geklärt hätten, kann es ja weiter gehen mit der Tagesordnung. Nächstes Thema…?